💶 Bitcoin 1×1 · Kapitel 4

Wie funktioniert unser heutiges Geldsystem?

Fiatgeld besitzt keine feste Rohstoffdeckung. Es funktioniert, solange wir auf seine Akzeptanz, seine Kaufkraft und die beteiligten Institutionen vertrauen.

Im vorherigen Kapitel hast du gesehen, wie 1971 die letzte feste Goldbindung des internationalen Geldsystems endete. Seitdem können Euro, US-Dollar oder Schweizer Franken nicht mehr zu einem festgelegten Kurs in Gold eingelöst werden. Sie sind Fiatgeld: staatlich anerkannte Währungen, deren Wert nicht aus dem Material der Münzen und Scheine und auch nicht aus einem garantierten Anspruch auf einen Rohstoff entsteht.

Warum wir Fiatgeld akzeptieren

Fiatgeld funktioniert, weil nahezu unser gesamtes Wirtschaftsleben darauf ausgerichtet ist. Löhne, Preise, Mieten, Kredite und Verträge werden in der jeweiligen Währung angegeben. Steuern und öffentliche Abgaben müssen darin bezahlt werden. Unternehmen nehmen Euro an, weil sie damit ihrerseits Rechnungen, Gehälter und Verbindlichkeiten begleichen können.

Hinzu kommt eine umfassende Infrastruktur aus Bankkonten, Karten, Geldautomaten, Überweisungs- und Zahlungssystemen. Wir akzeptieren Euro nicht, weil ein Geldschein selbst einen entsprechenden materiellen Wert besitzt. Wir tun es, weil wir erwarten, dass andere Menschen, Unternehmen und staatliche Stellen ihn ebenfalls annehmen und seine Kaufkraft ausreichend stabil bleibt.

Bargeld, Zentralbankgeld und Buchgeld

In unserem Geldsystem gibt es unterschiedliche Geldformen. Banknoten werden von Zentralbanken ausgegeben, Münzen von staatlichen Stellen. Geschäftsbanken halten außerdem Guthaben bei der Zentralbank, sogenannte Zentralbankreserven. Sie dienen vor allem dazu, Zahlungen zwischen Banken abzuwickeln und Bargeld bereitzustellen.

Der größte Teil des Geldes, das Haushalte und Unternehmen im Alltag verwenden, ist jedoch Buchgeld auf Bankkonten. Dein Kontostand ist kein für dich gelagerter Stapel Geldscheine. Er ist eine Forderung gegenüber deiner Bank: Sie schuldet dir den angezeigten Betrag und ermöglicht dir, ihn zu überweisen, mit Karte auszugeben oder als Bargeld abzuheben.

Wie neues Geld durch Kredite entsteht

Neues Buchgeld entsteht vor allem bei der Kreditvergabe. Nimmst du beispielsweise einen Kredit über 20.000 Euro auf, überträgt die Bank nicht einfach das vorhandene Guthaben eines anderen Sparers. Sie verbucht eine Forderung gegen dich und schreibt deinem Konto gleichzeitig 20.000 Euro gut. So entstehen eine neue Schuld und neues Buchgeld zur selben Zeit. Bei der Tilgung wird der entsprechende Teil des Buchgeldes wieder vermindert.

Banken können dennoch nicht beliebig viele Kredite vergeben. Sie benötigen kreditwürdige Kunden, müssen Risiken tragen und Regeln zu Eigenkapital, Liquidität und Bankenaufsicht erfüllen. Auch die Zinsen der Zentralbank beeinflussen, wie teuer Kredite sind und wie stark die Nachfrage danach ausfällt. Die Geldmenge entsteht daher im Zusammenspiel von Zentralbank, Geschäftsbanken, Kreditnehmern, Unternehmen und Staat.

Ein System, das auf Vertrauen beruht

Hinter einem Euro steht keine festgelegte Menge Gold und kein anderer materieller Wert, den du bei einer Bank oder Zentralbank einfordern könntest. Auch dein Kontoguthaben ist ein Zahlungsversprechen deiner Bank. Du vertraust darauf, dass sie zahlungsfähig bleibt und dir den Betrag verfügbar macht. Banken wiederum vertrauen darauf, dass Kreditnehmer ihre Schulden zurückzahlen.

Das Fiatgeldsystem beruht deshalb auf einer Kette gegenseitigen Vertrauens: Wir erwarten, dass andere das Geld weiterhin akzeptieren, Banken Zahlungen ausführen, der Staat die Geldordnung durchsetzt und die Zentralbank die Kaufkraft ausreichend schützt. Diese Regeln können durch menschliche und politische Entscheidungen verändert werden. Das macht das System flexibel, schafft aber zugleich Abhängigkeit. Bei hoher Inflation oder einer Bankenkrise zeigt sich, wie entscheidend Vertrauen ist: Schwindet es, versuchen Menschen, ihr Geld schnell in Waren, Fremdwährungen oder knappe Sachwerte umzutauschen.

Das solltest du mitnehmen

Fiatgeld besitzt keinen festen materiellen Gegenwert, gegen den es eingelöst werden kann. Der größte Teil entsteht als Buchgeld durch Bankkredite. Sein Wert beruht letztlich auf staatlicher Ordnung, Bankinfrastruktur und dem gemeinsamen Vertrauen, dass es morgen noch angenommen wird und ausreichend Kaufkraft besitzt.

Vertiefungskurs 4

Wie Banken Geld schaffen und Zentralbanken das System steuern

Unser Geldsystem besteht aus mehreren Geldarten. Wer verstehen will, wie neue Euros entstehen, muss Zentralbankgeld, Bankguthaben, Kredit und die Rolle der Zentralbank voneinander unterscheiden.

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